Interview mit Frank Hehl

Im Fachverband Sanitär Heizung Klima Nordrhein-Westfalen (SHK) haben sich 55 regionale Sanitär-Heizung-Klima- und drei Ofen- und Luftheizungsbauer-Innungen zusammengeschlossen. Mit 5.800 angeschlossenen Fachhandwerksbetrieben und geschätzten 55.000 Mitarbeitenden ist dieser Fachverband innerhalb Deutschlands einer der größten Arbeitgeberverbände der Branche.

Das Gewerk der nordrhein-westfälischen Installateure und Heizungsbauer hat im Jahr 2021 einen geschätzten Umsatz von ca. 10 Milliarden Euro erwirtschaftet und hat somit einen wesentlichen Anteil am Bruttosozialprodukt in Nordrhein-Westfalen.

Schon vor dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zum 01.01.2024 hatte das SHK-Handwerk eine „Schlüsselfunktion“ zum Erreichen der Klimaziele. In einem riesigen Kraftakt wurden im Jahr 2023 insgesamt 1,31 Millionen Wärmeerzeuger in Deutschland verbaut, mit einem Plus von ca. 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Resultierend aus dem GEG und der Forderung der Politik sollen jedes Jahr 500.000 Wärmepumpen eingebaut werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das sind hohe Erwartungen, die an das SHK-Handwerk und an die Industrie gestellt werden. Es wäre machbar, wäre da nicht die schwindende Bereitschaft der Menschen, die fossile Energie (Öl und Gas) durch eine effiziente Wärmepumpe zu ersetzen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel im Handwerk allgemein. Trotz der Fördermöglichkeiten im besten – aber seltenen – Fall von bis zu 70 Prozent, läuft der Wärmepumpenabsatz in 2024 nur sehr schleppend und schafft damit eine große Verunsicherung in der Branche.

Vor Monaten gab es noch erhebliche Lieferprobleme der Hersteller und lange Wartezeiten auf die begehrten Wärmepumpen. Die Ursachen waren sehr vielfältig. Angefangen von fehlenden Produktionsstätten und Mitarbeiterkapazitäten, bis hin zu fehlenden Rohmaterialien auf dem Weltmarkthandel. Mittlerweile sind die Läger voll und einige führende Hersteller haben Kurzarbeit angemeldet oder planen Entlassungen von Mitarbeitern. Ein eigenartiges und skurriles Szenario, hervorgerufen durch gegenwärtige Klimapolitik der Regierung.

 
Wir freuen uns sehr, dass der Hauptgeschäftsführer des SHK Fachverbandes NRW – Frank Hehl – uns für Fragen zur Verfügung steht.

H. Kuschel: Herr Hehl, Sie sind seit Februar Hauptgeschäftsführer in einem der größten Fachverbände in Deutschland. Vorher waren Sie in verantwortlichen Funktionen in der Industrie. Wie ist jetzt Ihr Blick durch die „Brille“ eines SHK-Fachhandwerkers?
F. Hehl: Diese neue Perspektive ist multidimensional und sehr spannend für mich. Ich habe all die Jahre in der Branche gearbeitet, aber „auf der anderen Seite“ und fühle mich in meiner Annahme bestätigt…
…das Spektrum der Herausforderungen ist enorm, der Anspruch der Innungen und der Fachbetriebe wie auch der Druck von außen auf „unser“ Marktfeld war noch nie so hoch wie heute. Mich rufen täglich Unternehmer an. Ich schätze das ehrliche und direkte Feedback der Betriebe und des Ehrenamtes. Dafür lohnt sich die harte Auseinandersetzung mit der Politik, den Marktpartnern und den Disruptoren, die ihr Stück vom Wärmepumpenkuchen wollen.


H. Kuschel: Wie geht das Fachhandwerk mit dieser mehr oder weniger schwierigen Situation um?

F. Hehl: Der fachliche Anspruch an das SHK-Handwerk und die damit verbundene Beratungsleistung beim Kunden wächst mit jeder Verordnung. Der allgemeine, sehr hohe Bedarf an Fachkräften trifft auch das SHK-Handwerk. Was aber viele Betriebe seit Jahren noch mehr beklagen, das ist der enorme bürokratische Aufwand, der betrieben werden muss, um einen allen Anforderungen entsprechenden Handwerksbetrieb zu führen. Aber unsere Mitglieder sind unabhängige Unternehmer- und Unternehmerinnen. Sie sind es gewohnt, sich auf den Markt, die Nachfrage und die Rahmenbedingungen einzustellen und Lösungen zu suchen. Ob dies bedeutet, Kooperationen zu etablieren oder sich durch die Ausbildung im Betrieb oder die gezielte Schulung des Personals neue Marktfelder zu erarbeiten.


H. Kuschel: Wie ist z.Z. die Ausbildungssituation im SHK-Handwerk und welche Maßnahmen gibt es, um junge Menschen für diesen ungemein schönen und attraktiven Beruf, mit Zukunft, zu begeistern?

F. Hehl: Unser Team in NRW hat wegweisende, innovative Konzepte realisiert. So ist NRW das einzige Bundesland mit landeseinheitlicher fachtheoretischer Gesellenprüfung. Wir haben für Innungen, Berufsschulen und Betriebe und natürlich für die Auszubildenden selber ein digitales Azubi-Lern- & Prüf-Tool entwickelt, um die Ausbildungsqualität langfristig auf einem hohen Niveau zu halten. Und wir unterstützen die Kammern bei der Meisterqualifizierung. Resultat: NRW ist derzeit das einzige Bundesland mit langfristig gestiegenen Azubi-Zahlen. Aktuell sind über alle Lehrjahre hinweg um die 10.000 Auszubildende in der „Pipeline“. Allerdings sind davon nur ca. 1,6 Prozent weiblich. Dieses Potenzial werden wir in Zukunft noch deutlich stärker erschließen.

Unser Vehikel zur NRW-weiten und innungsübergreifenden Ansprache von jungen Leuten ist die bundesweite Azubi-Initiative ZEIT ZU STARTEN. Unter dieser Flagge entwickeln wir Material und Aktionen und unterstützen und beraten Innungen und Fachbetriebe bei der Umsetzung der konkreten Nachwuchswerbeaktion. Zudem veranstalten wir alle zwei Jahre die „AZUBI-Lounge“ auf der Messe SHK+E ESSEN. Hier bewerben wir recht erfolgreich den Ausbildungsberuf des Anlagenmechanikers SHK bei der Zielgruppe allgemeinbildende Schulen in NRW.

H. Kuschel: Wie ist das SHK-Fachhandwerk darauf vorbereitet und wie erfolgt die Weiter- bzw. die Fortbildung im technischen sowohl auch im Bereich der politischen Rahmenbedingungen, z. B. aus den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes?
F. Hehl: Die Basis-Schulungen zum GEG sind bereits in 2023 erfolgt. Wir beraten die Betriebe bei Einzelfragen zum GEG und BEG und informieren proaktiv, wenn sich seitens des Zentralverbandes SHK neue Handlungsanweisungen zur Auslegung des GEG für die Praxis ergeben.

Sehr intensiv informieren und sensibilisieren wir derzeit die Innungen und das Ehrenamt in Bezug auf die kommunale Wärmeplanung. Das Thema ist von entscheidender Bedeutung für den Fortbestand und die Marktbearbeitung zukünftiger SHK-Innungsfachbetriebe in den Regionen. Hier lauern inhaltlich und strategisch viele Fallstricke im Umgang mit den Marktpartnern – für aktive Innungen und die, die in Bezug auf die Mitarbeit in regionalen Ausschüssen zur kommunalen Wärmeplanung noch Anlauf nehmen. Hier fordern wir gerade mit einer Mailingaktion unsere Beteiligung bei den Kommunen ein, indem wir ganz konkrete Ansprechpartner in den Innungen bzw. Kreishandwerkerschaften benennen.

H. Kuschel: Könnten Sie einmal kurz erläutern, wo sind die Kernaufgaben des SHK-Fachverbandes und welche Leistungen sind für die Mitglieder kostenlos abrufbar? 
F. Hehl: Der SHK-Fachverband ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den selbständigen SHK-Handwerkern und deren Innungen. Viele seiner Tätigkeiten erfolgen jedoch im Hintergrund und sind für die Mitglieder oft nur auf den zweiten Blick sicht- oder spürbar. Beispielsweise unser politischer und branchenbezogener Einsatz zu Gunsten der Standesorganisation. Nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“ betreiben wir viel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Branchen-, aber auch in Publikums- und Meinungsmedien. 

Weitere kostenlose Vorteile können ganz aktiv in Anspruch genommen werden: Herstellerneutrale Fachinformationen und Handlungshilfen sowie themenübergreifende Betriebsberatung bei Fachfragen oder auch Unterstützung im Schadensfall. Hinzu kommt ein Bildungsportfolio, dass wir an den Bedürfnissen der Unternehmerschaft ausrichten. In enger Abstimmung mit dem Ehrenamt und im Rahmen der Gremienarbeit entwickeln wir Fortbildungen und Praxisseminare. Da ist aktuell Luft nach oben, weil wir uns mit dem Führungswechsel auch konsolidieren und aktuell intensiv an „uns“ arbeiten, um noch schneller noch mehr PS auf die Straße zu bringen.


H. Kuschel:
Wir alle stellen uns den Herausforderungen der Transformation „weg von den fossilen und hin zu den umweltfreundlichen erneuerbaren Energien“ wie Wasser, Wind oder nachwachsenden Rohstoffen. Das Handwerk und auch die Industrie werden Ihren Beitrag leisten, das ist sicher. Aber nur unter der Bedingung, dass die Politik verlässlicher wird als in den vergangenen Monaten und dass vor allem die Menschen mit genommen werden auf der langen Klimaschutz-Reise . . . 


Lieber Herr Hehl,

die Energiegemeinschaft Düsseldorf bedankt sich recht herzlich, für das kurze Interview und freut sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit Ihnen und dem SHK-Fachverband NRW

 
 

Innung Sanitär Heizung Klima Düsseldorf

 „Zuerst mache ich die Meisterprüfung, dann mache ich mich selbständig und möchte gerne Lehrlinge ausbilden.
Es ist ein tolles Gefühl hier zu stehen und die Urkunde in der Hand zu halten. Meinen herzlichen Dank an den Ausbildungsbetrieb und an die Gesellen,
die mich unglaublich stark unterstützt
haben. Ich bin überglücklich …“.

So die Antwort eines jungen Gesellen als er nach seinen Zukunftsplänen gefragt wurde.

Die Medien berichten jeden Tag über die Klimakrise, über das Verbot von fossilen Brennstoffen und auch über den Mangel an Handwerkskräften.
Allein im SHK Bereich fehlen laut Schätzung des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima ca. 60.000 Mitarbeiter.

Deshalb ist es schön und erfrischend, die oben genannte Stimme zu hören und zu sehen, dass nun 70 junge Menschen es geschafft haben,
die lang ersehnte Urkunde in der Hand zu halten.

Die Energiegemeinschaft Region Düsseldorf gratuliert allen jungen Gesellen zur bestandenen Prüfung und wünscht für den weiteren beruflichen Lebensweg
so wie auch privat alles erdenklich Gute.

Lesen Sie unten die Original-Pressemitteilung der Innung Sanitär Heizung Klima Düsseldorf.

 

 

Pressemitteilung vom 06.03.2023

SHK-Innung: Gesellenbriefe an 70 Techniker überreicht

„Kompetenz im Ringen um mehr Klimaschutz“

Düsseldorf. „Im Namen der Innung Sanitär Heizung Klima heiße ich sie als Techniker in unseren Reihen herzlich willkommen!“
Mit diesen Worten gratulierte Obermeister Hans-Werner Eschrich im Rahmen der Lossprechungsfeier im Hotel Tulip Inn 70 ehemaligen Auszubildenden zum erfolgreichen Abschluss ihrer Gesellenprüfung.

Die erfolgreichen Prüfungsabsolventen der SHK-Innung.

Im Beisein von etwa 150 Gästen – unter ihnen Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert, Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Fuhrmann und der Kölner SHK-Obermeister Marc Schmitz – ließ Hans-Werner Eschrich keinen Zweifel daran, dass die Ausbildung in Zeiten von Corona hohe Anforderungen gestellt habe. „Mit der bestandenen Prüfung haben sie aber bewiesen, dass sie in einem systemrelevanten Beruf die Kompetenz haben, unsere Gesellschaft im Ringen um mehr Klimaschutz zu unterstützen.“ Mit Blick auf den weiteren beruflichen Werdegang appellierte Hans-Werner Eschrich an die frischgebackenen Gesellen, Lebenserfahrungen zu sammeln, Weiterbildungsangebote zu nutzen, alle Möglichkeiten der Digitalisierung einzusetzen und verstärkt die erneuerbaren Energien in den Fokus zu nehmen.

Als große Herausforderungen bezeichnete der Obermeister neben politischen Ungereimtheiten, wie den Plan von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, den Neueinbau von Öl- und Gasheizungen zu stoppen („Niemand weiß, wie das umgesetzt werden soll“) insbesondere die Nachwuchsgewinnung. „Wir müssen deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um möglichst viele Menschen für unseren wichtigen Beruf zu gewinnen“, sagte Hans-Werner Eschrich.

Den Höhepunkt des Programms bildete die offizielle Lossprechung, verbunden mit der Überreichung der Gesellenbriefe.

Herausragende Prüfungsleistungen vollbrachten Robin Niclas Bätz, Rene Gerst, Ilias El Ouardiji und Andreas Wittig (v.l.n.r.) flankiert von Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert und Innungsobermeister Hans-Werner Eschrich.


Herausragende Prüfungsleistung erbrachten Robin Niclas Bätz (Ausbildungsbetrieb: Marcus Metten), Rene Gerst (KTW Betat UG), Ilias El Ouardiji (Christian Kaymer Sanitätsinstallation GmbH) und Andreas Wittig (Zinnenlauf Service GmbH). Sie schafften den besten Notendurchschnitt aller Probanden und dürfen als Lehrgangsbeste am übergeordneten Kammerwettbewerb teilnehmen.