Fünf Fragen an den geschäftsführenden Vorstand von “Zukunft Gas” Dr. Timm Kehler

Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Diskussion über die deutsche Abhängigkeit von russischen fossilen Energieträgern erneut entfacht und uns allen ist schlagartig bewusst geworden, dass es so nicht weiter gehen kann, nicht weiter gehen darf …
Die schon länger währende Drohung, den Gashahn nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa zuzudrehen, liegt nun auf dem Tisch und ist für einige Länder schon zur Realität geworden. Welche Alternativen hat die Politik, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten? Ist es die vielfach kritisierte Kernkraft, ist es LNG oder ist es das Neue, Alte Zauberwort Wasserstoff z.B. hergestellt aus erneuerbaren Energien?
Vor diesem Hintergrund haben wir ein Interview geführt mit Dr. Timm Kehler, dem Geschäftsführer und Vorstand von „Zukunft Gas“ mit Sitz in Berlin. Zukunft Gas ist ein Verband mit einer anerkannt ausgewiesenen Expertise. Er bündelt die Interessen der Gasbranchen und ist ein kompetenter Ansprechpartner für die Öffentlichkeit, für die Politik und natürlich für den Verbraucher.

Lieber Herr Dr. Kehler,
schon seit vielen Jahren ist Wasserstoff ein Thema in Politik und in der Wirtschaft, aber irgendwie hatte man immer das Gefühl einer gewissen „Halbherzigkeit“ und es fehlte die Aufbruchsstimmung. Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, auf die wir unendlich lange warten mussten. Automobilhersteller, die verkündet haben, dass der motorisierte Betrieb mit Wasserstoff nicht wirtschaftlich dargestellt werden kann und die fast ganzheitliche Fokussierung auf die E-Mobilität erweckten den Eindruck, Wasserstoff steht in der zweiten oder auch dritten Reihe.

H. Kuschel: Warum und wieso ist Wasserstoff so wichtig für die Energiewende?

Dr. T. Kehler: Wasserstoff bietet als gasförmiger Energieträger große Chancen für das Gelingen der Energiewende. Der Energieträger kann auf verschiedene Arten
CO₂-arm hergestellt werden und zukünftig mit relativ geringen Anpassungen in verschiedenen gasbasierten Anwendungen Erdgas ersetzen. Beim Einsatz von Wasserstoff entstehen keine direkten, lokalen CO₂-Emissionen, sondern nur Wasserdampf. Für den Transport und die Speicherung kann die bereits vorhandene Gasinfrastruktur genutzt werden. Dadurch kann die Energiewende sozialverträglicher gestaltet werden, da weniger Investitionen in neue Infrastruktur notwendig werden.

Wir wissen, dass die Herstellung von Wasserstoff sich sehr komplex gestaltet. Können Sie uns kurz erläutern welche Möglichkeiten es gibt Wasserstoff herzustellen und ist es möglich Wasserstoff zu speichern, wie wir es schon von Erdgas kennen?

Wasserstoff kann vor allem auf drei verschiedene Arten CO₂-arm hergestellt werden: Dampfreformierung in Verbindung mit CCS, Methanpyrolyse und Elektrolyse.
Das aktuell wirtschaftlichste und am weitesten verbreitete Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff ist die Dampfreformierung. Dabei wird mithilfe von Wasserdampf der im Erdgas enthaltene Wasserstoff vom Kohlenstoff getrennt. Das dabei entstehende CO₂ kann durch das sogenannte Carbon Capture Storage (CCS)-Verfahren unter der Erde verpresst werden. Das CO₂ gelangt somit nicht in die Atmosphäre, wodurch die Herstellungsart nahezu klimaneutral ist. Eine weitere Herstellungsart ist die Methanpyrolyse, bei der Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, unter Sauerstoffausschluss in die Produkte Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten wird. Wasserstoff kann auch aus erneuerbarer Energie und Wasser im sogenannten Elektrolyse-Verfahren klimaneutral hergestellt werden. Durch dieses Verfahren bietet Wasserstoff auch die Möglichkeit ungenutzte erneuerbare Energie, also zum Beispiel überschüssige Windenergie, in Wasserstoff umzuwandeln, wodurch sie dann speicherbar wird.

Wo kann Wasserstoff sinnvoll eingesetzt werden und kann es z. B. das derzeitige Erdgas zu 100 % ersetzen. Wie wir immer wieder hören, konzentriert man sich zuerst auf die energieintensive Industrie. Wie ist es mit Privathaushalten, wäre da elektrische Wärmepumpen nicht eine gute Alternative zum heutigen Erdgas?

Wasserstoff bietet vielen Sektoren die Chance der Dekarbonisierung. Zum einen ist der Einsatz in der Industrie sehr wichtig, da dort viele thermische Prozessverfahren nur schwer elektrifizierbar sind. Aber auch im Wärmemarkt bietet Wasserstoff großes Klimaschutzpotenzial. In Deutschland heizen 50% der Haushalte mit Gas. Wir gehen davon aus, dass ein Einbau von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden bei 2/3 aller Gebäude nicht oder nur mit einer Kernsanierung möglich wäre. Über 50 % der Gebäude in Deutschland sind nach dem Krieg und vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut.
Aus unseren Erfahrungen wissen wir, dass die Hersteller von Wärmeerzeugern sich in der Vergangenheit sehr schwer getan haben Aussagen zu treffen, ob sich in ihrem Portfolio Geräte befinden, die entweder zu 100% Wasserstoff verbrennen oder zumindest bei einem gewissen Anteil noch ordentlich funktionieren.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Gerätehersteller, hinsichtlich Gerätetauglichkeit für den Einsatz von Wasserstoff?

Moderne Gasheizungen vertragen schon heute eine Wasserstoff Beimischung von bis zu 20 Prozent. Gasheizungen, die in Zukunft auf den Markt kommen, lassen sich schnell und kostengünstig mit einem Umstell-Kit auf die Nutzung von 100 Prozent Wasserstoff umrüsten oder sind bereits ab Werk dazu imstande. Die Heizgerätehersteller haben sich laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) dazu verpflichtet, dass dies für Geräte gilt, die ab 2025 auf den Markt gelangen.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Russlandkrise stellt man sich natürlich die Frage, könnte Wasserstoff das Erdgas komplett ersetzen und vor allem werden dann die benötigten Mengen überhaupt verfügbar sein?

Die Gasbranche ist aktiv an der Transformation zur Wasserstoffwirtschaft beteiligt. In Deutschland sind bereits zahlreiche Wasserstoffprojekte in Betrieb, im Bau oder in Planung. Jetzt ist die Politik gefragt, die richtigen Weichen für einen schnellen Hochlauf des Wasserstoffmarkts zu stellen. Damit das Potenzial des Energieträgers möglichst schnell in vollem Umfang genutzt werden kann, ist es vor allem wichtig, die bereits vorhandene Gasinfrastruktur zu nutzen und nicht einzelne CO₂-arme Herstellungsarten gegenüber anderen zu bevorzugen. Wir rechnen damit, dass Ende der 2020-er Jahre die ersten Verteilnetze auf 100 % Wasserstoff umgestellt werden.

Herr Dr. Kehler, vielen Dank im Namen der, EnergieGemeinschaft Düsseldorf das sie sich die Zeit genommen haben.

 

Statements der Hersteller, Viessmann, Bosch-Buderus Vaillant und Weishaupt zum Thema
»Wärmeerzeuger, die entweder mit 100 % oder teilweise mit Wasserstoff betrieben werden«.

SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE

Am 24.02.2022 wurde die Ukraine, ein souveräner Staat innerhalb der Grenzen Europas, durch Russland überfallen.

Dieser Angriffskrieg und vor allem die fadenscheinigen Gründe des russischen Präsidenten Putin sind absolut nicht nachvollziehbar und vor allem sinnlos.

Die Folgen dieses militärischen Aktes, den wir täglich in den Medien verfolgen können, sind nur sehr schwer zu ertragen.

Das Leid der Menschen, Tote, Verletzte, Frauen und Kinder, die verzweifelt versuchen, das Land zu verlassen. Die Zerstörung von Gebäuden, die Zerstörung von Existenzen und einer funktionierenden Infrastruktur, stürzen ein friedliebendes Land von jetzt auf gleich in ein unvorstellbares Chaos.

Vertraut man den Medien, so treffen Raketen inzwischen auch medizinische Einrichtungen und wichtige Fluchtwege, wie Brücken und Straßen, mit brutaler Gewalt. 

Die Ukraine, ein Land mit ca. 42 Millionen Einwohnern hat sich schon vor langer Zeit entschieden, europäisch zu leben und hat sich ebenso freiwillig entschieden, sich unseren Werten anzuschließen.

Mit Erschütterung und großer Sorge beobachten wir die weiteren Entwicklungen in der Ukraine und unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen, deren Leid man kaum in Worte fassen kann.

Die humanitären Hilfen vieler Länder laufen inzwischen auf Hochtouren und alle sind bemüht, die Menschen mit Geld und Sachspenden zu unterstützen. Die Solidarität  in Deutschland und auch weltweit ist nahezu grenzenlos.

                             Die Energiegemeinschaft Region Düsseldorf e.V. verurteilt den kriegerischen Angriff  Russlands auf das Land der Ukraine und                                                                                                                                          den Angriff auf die unschuldigen Menschen.    

                                           

Mit einer uneingeschränkten Solidarität für das Land und für die Menschen unterstützen  alle Mitglieder der Energiegemeinschaft  die Organisation „Aktion Deutschland Hilft“ mit einer finanziellen Spende.

Wir alle hoffen, damit einen Beitrag zu leisten, die Not und das Leiden der Betroffenen etwas zu lindern. 

Den Menschen wünschen wir viel Kraft, Mut und Hoffnung, dass dieser unsägliche und barbarische Kriegsakt schnellstens beendet wird.

Unser Dank gilt der nicht nachlassenden Diplomatie in ihren unermüdlichen Bemühungen, diesen Krieg zu beenden.

Mit nachdenklichen und hoffnungsvollen Grüßen

Hans-Werner  Eschrich und Herbert Kuschel

Fünf Fragen an den Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert

Herr Ehlert, Sie sind Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, zugleich auch Schornsteinfegermeister mit einem eigenen Kehrbezirk.
Kaum ein anderer kann die Belange des Handwerks besser verstehen als Sie. Mit Ihrer Tätigkeit als Präsident der Handwerkskammer haben Sie tiefe Einblicke in die Politik des Landes NRW und als Schornsteinfeger sind Sie vor Ort und kennen die Sorgen und Nöte der Menschen besser als so mancher Berufs-Politiker.

Deshalb freuen wir uns, mit einem Experten zu sprechen, der seine Erfahrungen und sein Wissen in einem kurzen Interview mit uns teilt.

  1. Herr Ehlert, zum Kammerbezirk Düsseldorf gehören ca. 59.000 Handwerksbetriebe. Können Sie uns bitte beschreiben, in welcher allgemeinen Stimmung sich das Handwerk in der derzeitigen Corona-Situation befindet? Die „funktionale Normalität“ in der täglichen Arbeit ist ja kaum noch oder sehr schwer für das Handwerk umzusetzen. Unterschiedliche Corona Regeln, fehlende oder verspätete Corona Hilfen des Landes und Insolvenzen von einst gesunden Unternehmen, sind z.Z. Schlagzeilen in den täglichen Medien.


    So vielfältig wie das Handwerk ist, so unterschiedlich ist auch seine derzeitige wirtschaftliche Lage. Das Bau- und Ausbaugewerbe boomt und profitiert von einer ungebrochen hohen Nachfrage nach Bauleistungen. Die Auftragsbücher sind voll – Auftragsreichweiten von mehr als zwei Monaten keine Seltenheit. Auf der anderen Seite haben die Lebensmittelhandwerke und die personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseure, Kosmetikerinnen und Fotografen immer wieder massiv unter den Corona-Einschränkungen gelitten. Hier ist die Stimmung im dritten Jahr der Pandemie durchaus angespannt.
    Hinzu kommen weitere Entwicklungen, wie Materialknappheiten und Preissteigerungen für Rohstoffe, Vorprodukte und Energie, die unsere Betriebe in Atem halten. Alles in allem ist das Handwerk in seiner Gesamtheit aber bisher relativ robust und ohne nennenswerten Substanzverlust durch die Pandemie gekommen.

     

  2. Wir hören immer aus der Politik, „Das Handwerk ist ein wichtiger Motor für Wachstum und Wohlstand in Deutschland.“ Stimmt diese These immer noch. Welche Entscheidungen muss bzw. sollte die Politik treffen, um diesen Motor mit genügend „brennbarem Treibstoff“ zu versorgen.


    Ein klares Ja! In Nordrhein-Westfalen erwirtschaftet das Handwerk rund 137 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und bildet damit das Rückgrat des Mittelstands. Zusammen sind unsere 194.000 meist kleinen und mittleren Betriebe mit ihren über 1,1 Millionen Beschäftigten die „Wirtschaftsmacht von nebenan.“ Auch für die Berufliche Bildung spielt das Handwerk als größter Ausbilder des Landes eine ganz zentrale Rolle. Jedes Jahr starten etwa 30.000 junge Menschen mit einer Ausbildung im nordrhein-westfälischen Handwerk in ihre berufliche Zukunft.

    Aus meiner Sicht gibt es einige zentrale Stellschrauben, an denen die Politik drehen muss: Steuer- und Abgabenlast, Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und Verlässlichkeit in der Klimapolitik. Im internationalen Vergleich ist Deutschland nach wie vor Hochsteuerland. Hier sehe ich trotz angespannter Haushaltslage zumindest punktuelles Entlastungspotenzial. Noch wichtiger ist aber, dass die Belastung nicht weiter steigt. Vor allem bei den Sozialversicherungsbeiträgen drohen uns ohne Reformen in den nächsten Jahren Kostenexplosionen. Es ist unbegreiflich, dass die neue Bundesregierung die Frage der Zukunftsfähigkeit des Sozialversicherungssystems nahezu vollständig ignoriert. Auch beim Bürokratieabbau gibt es viele Möglichkeiten, um unsere Betriebe in der konkreten Unternehmenspraxis zu entlasten. Weiterhin ist die Fachkräftesicherung im Handwerk natürlich ganz entscheidend. Hier brauchen wir konkrete Maßnahmen zur Stärkung der beruflichen Bildung – insbesondere bei der Berufsorientierung sowie bei der Modernisierung der Berufsschulen und der Bildungsstätten des Handwerks. Und zuletzt brauchen wir Verlässlichkeit und Technologieoffenheit in der Klima- und Förderpolitik. Nur so können unsere Betriebe langfristig planen. Ganz aktuell hat das Bundeswirtschaftsministerium mit dem abrupten Stopp des KfW-Förderprogramms für energieeffiziente Gebäude ein Beispiel dafür geliefert, wie es nicht laufen sollte.

     

  3. Mittlerweile ist der Mangel an Handwerkskräften auch in der Politik angekommen. Dieser Mangel war z.B. extrem spürbar, als wir im Sommer 2021 von diesen schrecklichen Flutkatastrophen überrascht wurden. Noch heute, acht Monate nach diesem Wetterereignis gibt es immer noch Menschen, die dringend auf Hilfe warten. Vollmundig wurden von der Politik schnelle unbürokratische Hilfen versprochen und da wo finanzielle Hilfen angekommen sind,  fehlt es an der Zahl von geeigneten Handwerkern. Gibt es aus Ihrer Sicht einen aktuellen Stand, inwieweit das Handwerk mit seinen Möglichkeiten unterstützt?


    Zahlreiche Handwerksbetriebe sind gleich in den ersten Tagen nach der Flut mit Mann und Maschine in die betroffenen Gebiete gefahren und haben ehrenamtlich mit angepackt. Das war ein großartiges Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts. Zudem haben alle Handwerkskammern gemeinsam mit unserem Zentralverband in Berlin mit der Aktion „Handwerk hilft Handwerk“ insgesamt 650.000 Euro an Spendengeldern gesammelt, die nun an von der Flut betroffene Betriebe ausgezahlt werden. Auch beim Wiederaufbau spielt das Handwerk eine ganz wichtige Rolle. Ich kenne viele Betriebsinhaber, die Aufträge aus Flutgebieten priorisieren, damit die Betroffenen etwa schnellstmöglich wieder eine funktionierende Heizung haben. Das Thema Wiederaufbau wird unsere Bau- und Ausbaubetriebe aber noch viele Monate, wenn nicht sogar Jahre, beschäftigen. 

     

  4. Immer mehr junge Menschen in Deutschland entscheiden sich für ein Studium oder für eine kaufmännische Ausbildung. Viele Menschen bezeichnen diesen Zustand als einen ausgeprägten „Akademisierungswahn“, der vielfach auch von den Eltern unterstützt wird. Man hört schon einmal den Spruch: „Gehe nicht ins Handwerk, lerne was Ordentliches, wir wünschen uns, dass es Dir einmal besser geht als uns“.  Die Frage ist, wie können wir gemeinsam für das Handwerk werben und wie können wir jungen Menschen vermitteln, dass das Handwerk interessante und spannende Aufgaben bereithält. Oder müssen wir vielleicht erst einmal bei den Eltern, die ja in der Regel einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbildungswahl Ihrer Kinder haben, mehr und effektivere Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit leisten?


    Die Eltern spielen in der Tat eine ganz zentrale Rolle. Oftmals schöpfen sie aus dem Erfahrungshorizont ihrer eigenen Jugend, in der ein Studium automatisch für Aufstieg stand. Diese Gleichung geht aber heutzutage, wo die Hälfte aller Schulabgänger studiert, nicht mehr ohne weiteres auf. Vielmehr gibt es die größte Lücke bei beruflich ausgebildeten Fachkräften. Ich bin überzeugt: Wir brauchen beides – akademisch und beruflich qualifizierten Nachwuchs. Aber wir müssen den Eltern immer und überall klarmachen, dass Aufstieg und beruflicher Erfolg nicht nur mit Bachelor und Master, sondern auch mit Gesellen- und Meisterbrief möglich sind.

    Denn selten waren die Chancen für junge Menschen als Fachkraft, Führungskraft oder selbstständiger Betriebsinhaber im Handwerk durchzustarten besser als jetzt. Allein in unserem Kammerbezirk suchen tausende Betriebe in den nächsten Jahren einen Nachfolger. Zudem sind die großen Zukunftsaufgaben – von der Klimawende über die Digitalisierung bis zur Mobilitätswende nur mit dem Handwerk zu meistern.
    Das SHK-Handwerk nimmt zum Beispiel eine Schlüsselfunktion bei der Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor ein. Bundesweit warten etwa 14 Millionen alte Wärmeerzeuger auf ihren Austausch durch Wärmepumpen, Brennstoffzellen & Co. Da ergeben sich riesige Chancen für den Nachwuchs!

    Hinzu kommt, dass vielen Menschen die handwerkliche Arbeit einfach gut liegt. Egal ob Brot, Haarschnitt, Anstrich oder neues Badezimmer: Im Handwerk sieht man am Ende des Tages ganz konkret, was man geleistet hat. Nicht umsonst ist die Arbeitszufriedenheit bei Handwerkern laut einer Studie der Universität Göttingen besonders hoch. Ich finde es immer wieder wunderbar, zu sehen, wer bei uns im Handwerk alles sein Glück findet.

     

  5. Herr Ehlert, meine letzte Frage, welche persönlichen Ziele haben Sie in Ihrer Funktion als Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, das Handwerk in seiner Außenwirkung und auch in der politischen Wahrnehmung zu unterstützen.

    Ich habe vor allem zwei Ziele. Zum einen möchte ich gemeinsam mit der Handwerkskammer und allen Organisationen des Handwerks erreichen, dass die großen und vielfältigen Chancen in unserem Wirtschaftsbereich von noch viel mehr jungen Menschen gesehen und ergriffen werden. Ganz konkret bedeutet das zum Beispiel: Wir wollen die Corona-Delle auf dem Ausbildungsmarkt endlich hinter uns lassen und bei den Ausbildungszahlen im Kammerbezirk 2022 wieder Vorkrisenniveau erreichen!


    Zum anderen ist mir wichtig, dass die entscheidende Rolle des Handwerks bei der Bewältigung der großen Transformationsaufgaben in der Politik wahrgenommen wird und wir bei allen mittelstandsrelevanten Themen mit am Tisch sitzen. Denn egal ob Bildungs-, Wirtschafts- oder Klimapolitik: Das Handwerk ist immer Teil der Lösung.


Lieber Herr Ehlert,


unseren herzlichen Dank für die offenen und klaren Worte auch in Richtung Politik. Wir wissen, dass Ihr Wort und Ihr Engagement nicht nur in NRW gilt, sondern auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Im Namen der Energiegemeinschaft Düsseldorf  auch Danke für Ihre Zeit 

(Das Interview erfolgte im Video Chat)   

In eigener Sache: Wir das Handwerk Sanitär-Heizung-Klima suchen dringend Nachwuchs

Das SHK Handwerk in Deutschland hat außerordentlich gut zu tun und das nicht nur bedingt durch die aktuellen Ereignisse der verheerenden Flutkatastrophe. Wer in einem der bundesweit ca. 51.000 SHK-Betriebe Anlagenmechaniker lernt, bekommt meistens eine Jobgarantie, denn die Nachfrage nach Heizungen und Bädern steigen von Tag zu Tag. Trotzdem fehlt dieser interessanten Branche nicht nur der Nachwuchs sondern auch Nachfolger für renommierte Betriebe, deren Eigentümer in den nächsten Jahren aus Altersgründen in den wohlverdienten Ruhestand wechseln werden.

Ein Dilemma, denn es gibt Entwicklungsmöglichkeiten, es gibt Perspektiven, die Auftragsbücher sind prall gefüllt, aber es mangelt an Auszubildenden und an Menschen, die bereit sind sich den Herausforderungen der Selbstständigkeit zu stellen.

Die Tätigkeitsfelder der Betriebe sind heute vielfältiger und umfangreicher als noch vor vielen Jahren. Der Beruf  ist interessant, spannend und technisch sehr anspruchsvoll.

Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker dauert dreieinhalb Jahre und es wird nie langweilig. Jeder Tag ist immer anders als der vorherige. Mit dem notwendigen handwerklichen Geschick werden Rohre befestigt, Badewannen installiert oder Heizgeräte in Einzelteile zerlegt um eine fach- und sachgerechte Wartung durch zu führen.

Klimafreundliche Techniken wie Wärmepumpen, Brennstoffzellen und auch Solaranlagen sind mittlerweile neben dem Einsatz von Brennwertgeräten zur Normalität geworden. Diese gilt es zu installieren oder mit gutem technischen Sachverstand regelmäßig Instand zu halten.

Oft ist unser Service- Mitarbeiter vor Ort der erste Ansprechpartner für die vielen Fragen des Endkunden.

“Was ist Smart Home, wie kann ich Energie sparen und die Umwelt schonen oder welche Einstellmöglichkeiten bietet meine neue Heizungsregelung, oder wie könnte ich mein älteres Bad neu gestalten?”   

Viele Fragen, die nicht nur der “Chef” beantworten sollte…..

Der Beruf des Anlagenmechanikers ist sehr vielfältig und abwechslungsreich.

Wir freuen uns über jede Bewerbung.

Wie finde ich das richtige Unternehmen und wer bildet aus ?

Hier findest Du nähere Informationen und ein cooles Video über unseren Beruf.

https://www.shk-duesseldorf.de/anlagenmechaniker.ph        

 

Die Brennstoffzelle als ein Innovatives Produkt, hat eine hohe Effizienz, und kann helfen das Klima zu schützen

Als Grundlage zur Erreichung der energiepolitischen Ziele, stellte die EU für die Jahre 2014-2020 ein Budget von 665 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Wasserstofftechnologie und ihre mögliche Anwendung zu erforschen.

Nach vielen Verhandlungen erklärten sich die Industrie aber auch viele renommierte Forschungspartner bereit, sich mit der gleichen Euro-Summe an diesem Vorhaben zu beteiligen.

Mit diesem gewaltigen Budget von fast 1,2 Milliarden Euro war es möglich, das sich viele Forschungs- und Entwicklungsabteilungen auf das Thema Wasserstoff konzentrierten.

Im Bereich der Versorgung von Gebäuden haben sich viele große Hersteller von Wärmeerzeugern an diesem Forschungsprojekt beteiligt und beliefern heute den Heizungsmarkt mit Geräten auf der Basis einer Brennstoffzellen -Technologie.

Brennstoffzellen sind hocheffizient und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2. Sie sind damit ein wichtiger Baustein zur Erreichung der hoch gesteckten Klimaziele. Vergleicht man sie mit konventionellen Wärmeerzeugern haben sie einen deutlich höheren Wirkungsgrad und sind damit effizienter als die herkömmlichen Geräte.

Angetrieben durch den Energieträger Gas, erzeugen Brennstoffzellenheizungen neben Wärme für die Heizung und Warmwasser auch zusätzlich Strom zum eigenen Verbrauch oder zur Einspeisung in das öffentliche Stromnetz. Langfristig denkt man jedoch darüber nach, Wasserstoff in das heutiges Gasleitungsnetz ein zu speisen. Damit würde der Transformationsprozess ( Umwandlung von Gas in Wasserstoff ) in der Brennstoffzelle entfallen und den Wirkungsgrad der Geräte noch einmal deutlich erhöhen.

Der Absatzmarkt von Brennstoffzellen, vor allem in Deutschland, wächst langsam aber kontinuierlich. Leider hat er aber noch nicht die Größe erreicht, die es den Herstellern ermöglicht, in der Produktion und im Vertrieb eine Wirtschaftlichkeit her zu stellen. Sicherlich einer der Gründe warum diese Geräte in der Anschaffung für den Endkunden noch sehr teuer sind.

Deshalb unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Einsatz von Brennstoffzellen- Heizgeräte über das KFW geführte Förderprogramm:

                                                         Energieeffizient Bauen und Sanieren-Zuschuss Brennstoffzelle (433)

Von einer Förderung von bis zu 40% der Investitionskosten rücken die Brennstoffzellen schon sehr nahe in den Preisbereich der Brennwertgeräte und machen sie dadurch sehr attraktiv.

Lesen Sie dazu interessante und ausführlichen Informationen von Zukunft Gas
https://gas.info/klimaschutz-mit-gas/dekarbonisierung-waermemarkt/innovation-brennstoffzelle

Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG-Förderung) vereinfacht der Staat die deutsche Förderlandschaft

Bedingt durch die Ölkrise in den siebziger Jahren wurde erstmalig über einen Wärmeschutz von Gebäuden und über die Einsparung von Energie nachgedacht.
Auf der Grundlage vieler Studien und den negativen Erfahrungen aus diese Ölkriese entstand 1976 das Energieeinsparungsgesetz (EnEG). Es war die politische Grundlage für die Einführung der unmittelbar nachfolgenden Wärmeschutzverordung (WSVO) die zum 01.11.1977 in Kraft trat. Bis zu diesem Zeitpunkt, gab es keine rechtlichen öffentlichen Vorschriften sondern lediglich nur technische Regelwerke in Form von DIN Normen usw..
Betrachtet wurden bei diesen neuen Gesetzen dabei nicht nur bestehende Gebäude sondern auch neue Gebäude, die zukünftig gebaut werden.
Durch den technischen Fortschritt von Bauteilen und weiteren Erkenntnissen im Klimaschutz wurden in diese Gesetze fortlaufende Ergänzungen eingeführt, so dass es den Anwender manchmal sehr schwer war die Forderungen und Auflagen zu erkennen ein zu halten bzw. umzusetzen.
Bedingt durch den technisch hohen Anspruch zur Energieeinsparung wurden die Neubauten und auch die Sanierungen von Gebäuden immer teurer und vor allem in der Ausführung sehr komplex.
Es folgten die ersten Rufe nach einer Bundesweiten finanziellen Unterstützung, resultierend auf energetischer Effizienz und den steigenden Kosten. Im Lauf der Jahre folgten darauf hin diverse Förderprogramm die dann entweder über die BAFA oder der KFW abgewickelt werden konnten.
Mit der Umsetzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude realisiert die Regierung einen Plan, den sie bereits vor vielen Jahren aufstellte: Die Vereinfachung der deutschen Förderlandschaft. Das Förderangebot soll Bauherren und Sanierern einfach zugänglich sein und diese zu Energieeffizienzmaßnahmen anregen. Hintergrund ist das inzwischen übergeordnete Ziel, die CO2-Emissionen in Deutschland drastisch zu senken. Dazu bieten sich im Gebäudebereich sehr hohe Potenziale, da dieser für rund 14 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich ist.
Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG-Förderung) vereinfacht der Staat die deutsche Förderlandschaft. Denn dabei gehen viele Förderangebote von BAFA sowie KfW in ein gemeinsames Programm über; unter anderem auch das Marktanreizprogramm (MAP). Bauherren und Sanierer kommen einfacher an die finanzielle Unterstützung und investieren dadurch mehr Geld in den Klimaschutz. So lautet das Ziel der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Hier finden Sie weitere Informationen
https://www.kfw.de/microsites/Microsite/beg-infos/olb/index.html?kfwmc=vt.finanzierungspartner.olb.eeu-beg.fp-intern.website-allgemein&wt_cc1=umwelt&wt_cc2=unt%7Clp-beg-gew
https://www.bafa.de/DE/Home/home_node.html

Förderprogramm „Heizen mit erneuerbaren Energien”: Volltreffer für Klimaschutz und Sicherung von Arbeitsplätzen

Im Corona-Jahr 2020 verzeichnete die Heizungsindustrie einen kräftigen Schub beim Austausch veralteter Heizungen durch Heizsysteme, die Effizienz und erneuerbare Energien koppeln. Das geht aus den Marktzahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) hervor. „Nach 20 Jahren der Stagnation im Austauschmarkt kam es insbesondere durch das Förderprogramm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ zu einem kräftigen Wachstum von 13 Prozent gegenüber 2019“, berichtet BDH-Präsident Uwe Glock. „Der Bundesregierung gelang mit diesem Programm ein Volltreffer für den Klimaschutz“, so Glock weiter. 
Der BDH weist in seiner Jahresstatistik ein starkes Wachstum von 40 Prozent bei Wärmepumpen aus, die mit 120.000 Stück in 2020 nunmehr den zweiten Platz der in Verkehr gebrachten Heiztechnik, unmittelbar nach der Gas-Brennwerttechnik einnimmt. Auch die Letztere legte zu, hier insbesondere die Kombination aus Brennwerttechnik mit Solarthermie. Bei den Holz-Zentralheizungen und dem CO2-armen und regenerativen Brennstoff Holz verzeichnete der Verband ein Wachstum von 138 Prozent gegenüber 2019.
ZVSHK und BDH fordern Fortführung des Förderprogramms
„Das erfolgreiche Förderprogramm diente in 2020 nicht nur dem Klimaschutz, sondern half maßgeblich, die über 500.000 Arbeitsplätze der Sanitär-Heizung-Klima-Branche in den schwierigen Corona-Zeiten abzusichern“, erklärt Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). „Beim Austausch veralteter Heizungsanlagen gegen Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen, liegt die heimische Wertschöpfung bei über 90 Prozent. Die deutsche Heizungsindustrie liefert die Anlagen und deutsches Handwerk baut sie ein“, so der ZVSHK-Präsident weiter:
ZVSHK und BDH fordern, wie auch weite Teile der Politik, eine konsequente Fortführung des Förderprogramms „Heizen mit erneuerbaren Energien“. Nur so werde es gelingen, die ambitionierten Klimaschutzziele des Green Deals und des Klimaschutzgesetzes zu erreichen.

PM_BDH-ZVSHK_Foerderprogramm_Heizen_22032021.pdf